Wissenswertes zum Hinduismus auf Bali

Was hat es mit dem Hinduismus auf Bali auf sich? Was versteht man unter Karma und was ist eigentlich eine Reinkarnation?

Wir haben nachfolgend die wichtigsten Fakten über den Hinduismus für dich zusammengetragen.

Auf deiner Reise durch Bali wirst du ständig mit Riten des Hinduismus und dem stark ausgeprägten Glauben konfrontiert. Wir möchten dir in unserem Artikel ein paar wissenswerte Fakten mit an die Hand geben. Falls du Tempeltouren ohne Guide unternimmst, macht es Sinn, wenn du dich vorher etwas mit der Religion auseinandersetzt, um die Zusammenhänge besser zu verstehen. Auch wir haben uns anfangs schwer getan, dass Grundprinzip des Hinduismus nachvollziehen zu können. Nach vielen Tagen und guten Erklärungen durch unseren Guide haben wir es verstanden 😉

1. Götter und Dämonen

Die Balinesen glauben an die Existenz von Göttern (wohnen in den Bergen) und Dämonen (wohnen im Meer) und sehen es als ihre Aufgabe, diese mit Opfergaben zu beschwichtigen und gnädig zu stimmen. Dazu werden  kleine Körbchen aus Palmenblättern gebastelt und mit Blüten, Reiskörnern, Süßigkeiten, Gebäck, Früchten etc. bestückt. Diese werden dann täglich an Tempeln, Götter- und Dämonenstatuen, Hotels, Schulen in Taxis etc. ausgelegt. In der Mitte des Körbchens steckt ein angezündetes Räucherstäbchen. Die Opfergaben auf dem Boden sind den Dämonen geweiht, die auf den Tempeltischen den Göttern.

Jede Familie hat einen eigenen Haustempel. Je größer der Haustempel, desto wohlhabender ist die Familie.

 

Opfergabe für die Dämonen

 

Die bedeutendsten 3 Götter (Dreieinigkeit) auf Bali sind:

  • Brahma: Er ist der Erschaffer des Universums und aller lebenden Geschöpfe.
  • Vishnu: Vishnu ist für den Erhalt des Universums zuständig. Er ist Retter vor dem Bösen, den Dämonen und hält somit das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse.
  • Shiva: Shiva ist der mächtigste und meist verehrteste Gott – der Gott der Zerstörung aber auch der Erneuerer. Er ist ein Gott der Gegensätze – Fruchtbarkeit und Tod, gütig und unheilvoll.

2 . Tempel und Tempelfeste

Der Eingang zu jedem Tempel ist ein gespaltenes Tor. Es symbolisiert das Gleichgewicht (Yin und Yang) aus Gut und Böse. Dämonenstatuen thronen vor dem Eingang, um das Böse fernzuhalten.

Gespaltenes Eingangstor zum Tempel

 

Vielleicht ist dir auf Bildern von Tempelanlagen schon einmal aufgefallen, dass Schreine, Bäume etc. mit Stoffen umwickelt sind. Die Farben der Stoffe sind nicht zufällig gewählt. Jede Farbe hat im Hinduismus eine spezielle Bedeutung. Weiß ist die Farbe des Lebens, Schwarz steht für den Tod. Gelb ist Symbol für die Natur. Ist ein Gegenstand mit einem karierten Stoff umwickelt, so ist dieser heilig. Der karierte schwarz-weiße Stoff bildet wieder das Gleichgewicht – das Yin und Yang.

Die Tempel sind ein Treffpunkt für Gott und Mensch. Mittels spezieller Rituale können die Menschen mit den Göttern in Kontakt treten. Im Inneren der Tempelanlage befinden sich die Schreine, in denen sich die Götter niederlassen können. Die Anzahl der Türme (Meru) ist immer ungerade z. B. 5, 7, 9 …. .

Auf Bali gibt es ständig etwas zu feiern. Es gibt große Tempelfeste, bei denen ganze Dörfer gemeinschaftlich teilnehmen genauso wie Tempelfeste, die nur innerhalb eines Dorfes abgehalten werden. Unter anderem finden bei Neumond und Vollmond Tempelfeste statt. Wir hatten großes Glück und waren während des Vollmondes auf Bali. Wir erlebten unzählige Tempelfeste mit. Auf den Straßen lagen überall Opfergaben verteilt – was für ein Bild.  Der aus unserer Sicht schönste Tempel auf Bali ist der Pura Luhur Batukaru in Tabanan Der Tempel ist eher unbekannt und dadurch auch wenig frequentiert.

Balinesen auf dem Weg zum Tempelfest

 

Die Bedeutung der Opfergaben auf Bali

Bei großen Tempelfesten hilft die ganze Familie mit. Es werden aufwendige Opfergaben gebastelt, Männer bereiten aus Schweinefleisch Saté Spieße und andere Speisen zu. Frauen tragen die teilweise bis zu 2 Meter hohen Opfergaben auf ihren Köpfen (dem heiligsten Teil des Körpers) zur Tempelanlage. Nur so werden sie für die Götter angemessen transportiert.

Transport der Opfergaben zum Tempel

 

Ein Gamelan-Orchester begleitet von Beginn bis Ende jede große Zeremonie. Im Inneren der Tempelanlagen werden die Opfergaben kunstvoll auf den Tempeltischen drapiert. Ein Priester klebt jedem Gläubigen Reiskörner auf die Stirn – Reis ist das Symbol für Weisheit. Wir durften einer Vollmond Zeremonie beiwohnen und haben unser gesamtes Wissen im Artikel Vollmond-Zeremonie Bali – ein Gebet zu den Göttern für dich zusammengefasst.

Nachdem den Göttern gehuldigt wurde, können die Balinesen ihre Opfergaben gemeinsam verspeisen. Es wird nichts weggeworfen. Gleichzeitig sind das die einzigen Mahlzeiten, die gemeinsam eingenommen werden. Normalerweise essen die Balinesen immer dann, wenn sie Hunger verspüren, nicht wie beispielsweise in Deutschland, zu festen Zeiten und gemeinsam mit der Familie oder Kollegen.

Zu vielen Tempelfesten finden noch immer die umstrittenen und brutalen Hahnenkämpfe statt. Die Männer wetten mit Geldeinsatz, welcher Hahn den Kampf überlebt. Frauen haben bei diesem Schauspiel keinen Zutritt.

Die angemessene Kleidung bei Betreten eines Tempels ist selbstverständlich. Frauen tragen bunte Blusen aus Spitze und einen Sarong inklusive Schärpe. Männer tragen einen Sarong mit Schärpe, ein weißes darüber liegendes Hemd und eine nach vorn geknotete Kopfbedeckung. Für menstruierende Frauen ist der Zutritt zum Tempel während dieser Zeit untersagt.

 

Zeremonie im Pura Luhur Batukaru

 

Balinesin mit Reiskörnern auf der Stirn

 

 

3. Karma und Reinkarnation (Wiedergeburt)

Im Hinduismus dreht sich alles um das Karma und die Reinkarnation. Lediglich der Körper eines Lebewesens stirbt, die Seele jedoch nicht. Die Seele des vorangegangenen Lebens geht in einen neuen Körper über. In welchen Körper sie übergeht, entscheidet das Karma, denn jeder Mensch entscheidet im hier und jetzt mit seinem Handeln über seine Wiedergeburt.

Das Karma versteht sich als Resultat von unserem Handeln, die Reaktion darauf spiegelt sich in der Reinkarnation wieder. Die Wiedergeburt muss nicht zwangsläufig in einen menschlichen Körper erfolgen. Man kann ebenso als Tier oder Pflanze, Einzeller oder Halbgott wiedergeboren werden.

Zur Erklärung: Lebt ein Balinese ein „schlechtes Leben“, ist beispielsweise krank oder von Unheil verfolgt, so hatte seine Seele im vorherigen Leben ein schlechtes Karma und deshalb ist die Situation nun so, wie sie ist. Der Kreislauf beginnt von vorn und die Chance ein gutes Karma durch gutes Handeln zu erlangen, besteht erneut.

Karma & Dharma

Die Voraussetzung für ein gutes Karma ist das Dharma – eine Kraft, welche die Ordnung im Universum aufrecht erhält. Jeder gibt sein bestmögliches, um zu Harmonie und Ordnung im Universum beizutragen, Unordnung zu verhindern oder zumindest das Gleichgewicht zwischen Ordnung (Dharma) und Unordnung (Adharma) zu bewahren.

Die Seele eines verstorbenen Menschen kann erst dann aus dem toten Körper entweichen, wenn eine Verbrennung des leblosen Körpers und eine anschließende Reinigung der Asche stattgefunden hat. Daher ist dieses Ritual etwas Positives für die Balinesen – es wird der Übergang vom Tod in ein neues Leben gefeiert. Da das Verbrennungsritual sehr teuer ist, vergraben weniger wohlhabende Menschen die Toten und graben diese zu einem späteren Zeitpunkt (manchmal vergehen bis zu 5 Jahre) wieder aus, um diese gemeinsam mit anderen Dorfbewohnern zu verbrennen. Der Zeitpunkt der Massenverbrennung richtet sich nach den finanziellen Mitteln der Angehörigen.

Wir finden den Hinduismus unglaublich spannend und sind fasziniert, wie die Balinesen die zahlreichen Rituale in ihren Alltag integrieren. Der Glauben hält das Volk zusammen und alle ziehen an einem Strang.

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8 thoughts on “Wissenswertes zum Hinduismus auf Bali

  1. Super interessanter Artikel! Jetzt haben sich noch ein paar mir fehlende Puzzle-Teile zusammengefügt 🙂
    Bali ist echt eine spannende Insel und die Rituale des Hinduismus macht sie nochmal besonderer!

    • Carina says:

      Hey Jana,
      es freut uns sehr, dass dir der Artikel gefällt 🙂 Du hast vollkommen Recht, die Rituale machen die Insel zu etwas ganz Besonderem.

  2. Anja Schuschke says:

    Sehr guter Artikel, Danke dafür. Ich bin jetzt auch schlauer. Was ich nur nicht verstehe, wenn sie an die Reinkanation glauben und damit wissen, dass ihre Seele auch in einem Tier wiedergeboren werden kann, warum gibt es dann hier so viel Tierleid? Wir haben eine Katzenbaby gerettet und die Leute meinten, dass wir jetzt ein gutes Karma haben und haben sich bedankt, dass wir ihren Tieren helfen… viele von ihnen haben aber nicht geholfen, ihn war das Katzenbaby total egal 😢

    • Carina says:

      Hallo Anja,

      schön, dass dir unser Artikel weiterhelfen konnte. Deine Frage haben wir direkt mal an unsere balinesische Freundin weitergegeben. Für die Balinesen ist die Wiedergeburt als Tier so ziemlich das Schlimmste, was eintreten kann und ist ein Indiz dafür, dass der Mensch vorher eine schlimme Tat begangen haben muss. Außerdem sind sie der Meinung, dass Tiere nicht in dem Ausmaß fühlen und handeln können wie Menschen und somit in diesem Tierleben auch kein gutes Karma für das nächste Leben erreicht werden kann. Das ist aus unserer Sicht absolut nicht korrekt, denn wir sind, genau wie ihr, sehr tierlieb und der Meinung, dass Tiere genauso Liebe, Leid und Schmerz erfahren wie wir Menschen auch. Wir denken aber es ist wie überall – man kann die Balinesen auch nicht alle über einen Kamm scheren. Es gibt auch sehr viele tierliebe Menschen auf Bali – genauso wie in Deutschland und anderswo auf der Welt. Uns zerreist es auch jedes Mal der Herz, wenn wir Tiere leiden sehen. Wir selbst versuchen auf jeder Reise eine Tierschutzeinrichtung oder ähnliches zu besuchen und zu spenden, um zumindest einen kleinen Teil zur Hilfe beizutragen. Schön, dass ihr dem Katzenbaby geholfen habt.

    • Carina says:

      Hallo Valeria,
      es freut uns sehr, wenn wir dir mit unserem Artikel weiterhelfen konnten. Der Hinduismus ist nicht leicht zu verstehen aber sehr sehr interessant 🙂
      LG. Carina

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