Tonle Sap Tour, Siem Reap – Kinderarbeit!?

Die schwimmenden Dörfer des Tonle Sap werden auf jeder Internet- Plattform hoch gelobt und unter den besten Sehenswürdigkeiten in Siem Reap gelistet. Bei unseren Recherchen vor der Reise haben wir viel Positives gelesen und wollten uns daher selbst ein Bild von den Dörfern machen, immerhin ist der Tonle Sap der größte Süßwassersee Südostasiens 😉 Wir entschieden uns dabei für das  Dorf Kompong Phluk.

Die Tour zum Tonle Sap unternahmen wir wie immer mit dem weltbesten Tuk Tuk Fahrer in Siem Reap 🙂 Der Weg war relativ weit aber auch sehr interessant. Das letzte Stück war ziemlich staubig und ohne Atemmaske oder Schal kaum auszuhalten. Taku (unser Fahrer) war so lieb und kaufte für uns Atemmasken an der Straße – sogar in schwarz für den Style Faktor 😉

 

Wucherpreise für die Bootsfahrt

Das Ticketoffice wurde im November weiter nach vorn verlagert, da der Wasserstand enorm hoch war. Die Preise für eine Fahrt auf dem Tonle Sap haben uns ziemlich verärgert. Für ein Einzelboot wurden 20 US $ pro Person verlangt. Wir diskutierten aber konnten letztendlich den Preis nicht drücken.

Da wir mit dem Tuk Tuk für die Strecke sehr lang gebraucht haben entschieden wir uns, trotz des Wucherpreises die Tour anzutreten und bezahlten die insgesamt 40,00 US $. Einen Überblick über die Situation am See hatten wir zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht. Wir fuhren noch eine Weile mit dem Tuk Tuk bis zum Bootsanleger. Taku begleitete uns auf die Bootstour. Uns wurde ein kleines Boot zugewiesen und wir setzten uns auf die losen Bänke, die wackelig auf dem Boot standen.

 

Drohnenbild vom Tonle Sap See

 

Unwissentlich werden wir Unterstützer der Kinderarbeit

Ein kleiner Junge, nicht älter als 10, manövrierte unser Boot auf die Weiten des Tonle Sap Sees. Als wir realisierten, dass wir mit genau diesem Jungen die Tour absolvieren werden, kamen sehr gemischte Gefühle in uns hoch. Warum arbeiten hier Kinder? Kann er das überhaupt? Was passiert, wenn das Boot kentert – unsere Technik-Ausrüstung ist dann hinüber!? Und sch***e, wir haben mit dem Kauf unseres Tickets tatsächlich Kinderarbeit unterstützt.

Kinderarbeit Tonle Sap, Kambodscha

 

René und ich sahen einander an und wussten genau, was der andere denkt. Darüber gesprochen haben wir an Bord aber anfangs nicht. Wir wollten das Beste aus der Situation machen und uns das schwimmende Dorf genau anschauen, deswegen waren wir ja schließlich hier. Wie Menschen unter solchen Umständen leben können, ist für uns unvorstellbar. Während der Trockenzeit stehen die Häuser auf bis zu 10 Meter hohen Stelzen auf ausgetrocknetem Boden, den Rest des Jahres springen die Dorfbewohner von ihrer Treppe direkt in ein Boot, um voran zu kommen. Hauptsächlich leben Fischer in den Dörfern.

Wir beobachteten kleine Kinder, die schon selbst das Ruder in die Hand nahmen und alte Frauen, die sich die wackelige Holztreppe am Haus hochquälten. Uns überkam trotz der vielen Eindrücke immer wieder ein ungutes Gefühl. Während der Tour kamen auch andere Boote an uns vorbei, die ebenso von kleinen Jungen gesteuert wurden. Die Dorfbewohner machten nicht den Anschein, sich sonderlich über den Besuch der Touristen zu freuen und das können wir auch verstehen. Wer empfindet schon Freude daran, seine Lebenssituation als Attraktion zur Schau zu stellen? Täglich dringen viele Touristen in die Privatsphäre der Menschen ein und wir sind uns mittlerweile nicht mehr sicher, ob das ethisch noch vertretbar ist.

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Währen der gesamten Tour sprach der kleine Junge kein Wort. Er war für sein Alter außergewöhnlich ernst und wirkte zwar routiniert aber auch gelangweilt und traurig. Wir sprachen unseren Tuk Tuk Fahrer Taku auf die Situation an und er bestätigte, dass Kinderarbeit in diesem Bereich leider ganz normal ist. Die Kinder gehen morgens zur Schule und werden danach zur Arbeit herangezogen. Wir waren entsetzt und bestürzt mit dem Kauf unserer Tickets genau dieses Verbrechen unterstützt zu haben. Selbst ältere Damen und Herren ließen sich von Kindern über den See fahren. Was läuft denn hier verkehrt!?

Zusammenfassend können wir sagen, dass die Bootsfahrt auf dem Tonle Sap zwar interessant war, aber die negativen Aspekte deutlich überwogen haben. Wir würden den Ausflug mit unserem heutigen Wissensstand nicht mehr antreten. Wir sprechen hier vom Kompong Phluk Dorf! Wie es in dem anderen Dorf (Kompong Khleang) zugeht, wissen wir leider nicht.

Falls du schon mal da warst, würde uns deine persönliche Meinung zu dem Thema interessieren. Schreib uns gern in die Kommentare.

3 thoughts on “Tonle Sap Tour, Siem Reap – Kinderarbeit!?

  1. Eberhard says:

    Wenn ein Junge ein solches Boot fährt, dann würdie ich Bedenken haben, das mit “Kinderarbeit” gleichzusetzen. Vielleicht macht er das nur gerne!? Da wüsste ich (auch und gerade für Kambodsha) ganz andere Beispiele für wirkliche Kinderarbeit. Übrigens gibt es auch auch Deutschland solche Beispiele von “Kinderarbeit”, wie im Falle des Boot fahrenden Jungen. Man denke bloß an die Söhne mancher Landwirte, die ums Leben gerne den väterlichen Trecker über den Acker steuern. – Ich finde das immer noch besser als die Göhren, die so allmählich vor Glotze, Tablet oder Smartphone verfetten und verblöden. – Also: Nicht immer alles dramatisieren. Du änderst damit die Zustände weder hier noch anderswo.Gruß – E.E.

    • Carina says:

      Hallo Eberhard,

      in diesem konkreten Fall sind wir uns sicher, dass der Junge seine Arbeit nicht gern verrichtet hat. Kinderaugen lügen nicht. Der Junge war für sein Alter äußerst ernst, wir konnten ihm kein lächeln entlocken. Unser Guide erklärte uns später, dass die Kinder am Vormittag zur Schule gehen und danach am Tonle Sap arbeiten “müssen”. Wenn ein Kind Freude an einer Arbeit/Tätigkeit hat, ist dagegen auch überhaupt nichts einzuwenden. Sicherlich gibt es auch viel schlimmere Auswüchse von Kinderarbeit, keine Frage. Dennoch fühlten wir uns in diesem Moment schlecht, die Dienste eines kleinen Jungen in Anspruch zu nehmen, der eigentlich gern wo ganz anders wäre. Mit Kindern, die ihren Eltern bei der Landwirtschaft helfen, können wir diesen Fall nicht vergleichen.
      Liebe Grüße

      Carina

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