Vollmond Zeremonie Bali – ein Gebet zu den Göttern

Vollmond Zeremonie auf Bali – du fragst dich, warum ausgerechnet am Vollmondtag so viele Zeremonien stattfinden und wie so ein spezielles Gebet abläuft? Wir haben die Antwort auf all deine Fragen, denn uns wurde eine große Ehre zuteil. Wir durften unsere balinesischen Freunde am Vollmondtag in den Dorftempel begleiten und mit ihnen gemeinsam zu den Göttern beten.

Vollmond Zeremonie auf Bali – was steckt dahinter?

Bali ist die einzige Insel Indonesiens mit hinduistischer Glaubensrichtung; 92% der Bevölkerung sind Hindus. Die Balinesen glauben an die Macht der Götter und Dämonen. Die wichtigsten drei Götter des Hinduismus sind: Brahma, Vishnu und Shiva. Detaillierte Informationen haben wir in unserem Beitrag  Der Hinduismus auf Bali für dich zusammengestellt. Nun aber zur Vollmond Zeremonie. Der Vollmondtag (Purnama) ist für die Balinesen von großer Bedeutung. Sie glauben, dass die Götter an diesem besonderen Tag auf die Erde herabkommen und die Gebete der Bevölkerung erhören. Gute Taten werden am Vollmondtag besonders hoch gewichtet.

Vollmond Zeremonie Bali – die Vorbeitungen laufen

Ablauf einer Vollmond Zeremonie auf Bali in 5 Schritten

1. Vorbereitungen für die Vollmond Zeremonie

Eine der wichtigsten Bestandteile der Vollmond Zeremonie auf Bali sind die meist selbst gebastelten Opfergaben. Die Balinesen nennen sie Canang. Die ganze Familie hilft bei der Herstellung der kleinen Körbchen. Mit einem Tacker werden die Opfergaben in Form gebracht. Für einen so bedeutenden Tag wie den Vollmondtag werden große Mengen dieser Opfergaben benötigt. Sie werden mit verschiedenfarbigen Blüten (weiße und bunte) gefüllt. Später erhält jede Opfergabe ein Räucherstäbchen.

Da die Vollmond Zeremonie ein wichtiges Fest für die Balinesen darstellt, ist es mit den kleinen Opfergaben an diesem Tag noch längst nicht getan. Je nach Möglichkeit werden Nahrungsmittel wie frisches Obst, Süßigkeiten, gegarter Reis und Fleisch als große Opfergabe in einen Korb geschlichtet. Außerdem werden für die Vollmond Zeremonie Räucherstäbchen, Reiskörner und heiliges Wasser benötigt, dazu später mehr.

Bali Götter - Gebet- Hinduismus
Bali Vollmond Zeremonie – Canang – Opfergabe

2. Die richtige Kleidung für eine Vollmond Zeremonie

Wenn auf der Götterinsel Bali eine Zeremonie ansteht, schmeißen sich alle Balinesen in Schale. An diesen wichtigen Tagen wird der schönste Sarong (Tuch, welches Männer und Frauen um die Hüfte tragen) und die neueste Bluse aus dem Schrank geholt. Schließlich kommen die Götter auf die Erde und wollen angemessen willkommen geheißen werden. Die Männer tragen darüber hinaus noch eine typisch traditionelle Kopfbedeckung.

Traditionelle Kleidung Bali
Vollmond Zeremonie Bali – traditionelle Kleidung

3. Gebet am Haustempel

Am Vollmondtag wird – wie an jedem anderen Tag – zuerst mit der Familie im Haustempel zu den Göttern gebetet. Die ersten der selbstgebastelten Opfergaben (es können locker 35 Stück und mehr sein) finden auf dem Schrein des Haustempels und an anderen bedeutenden Orten des Hauses ihren Platz. Erst wenn das gemeinsame Gebet im Haustempel vollzogen wurde, begeben sich die Balinesen im Laufe des Tages zu ihrem Dorftempel, um gemeinsam mit Freunden im größeren Kreise zu den Göttern zu beten.

4. Die Vollmond Zeremonie im (Dorf)-Tempel

Auf den Köpfen tragen die festlich gekleideten Frauen die großen Opfergaben in den Tempel und legen diese auf dem Schrein nieder. In den Körben befinden sich verschiedene Lebensmittel, wie Obst, Süßigkeiten, Backwaren und gekochter Reis. Eine feste Regelung für den Inhalt der Opfergaben gibt es nicht. Generell gilt aber: je wichtiger die Zeremonie, desto üppiger werden die Körbe befüllt. Neben den großen Opfergaben werden weitere kleine mit jeweils einem angezündeten Räucherstäbchen auf dem Schrein niedergelegt.

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Die Balinesen setzen sich im Schneidersitz auf den Boden. Vor ihnen liegt jeweils eine Opfergabe, welche mit weißen und bunten Blüten gefüllt ist. Ein angezündetes Räucherstäbchen nebelt auf jedem Canang. Je nach Größe des Tempels spielt entweder ein Gamelan -Orchester oder das Gebet wird ohne musikalische Untermalung (in kleinen Tempeln) abgehalten. Der Priester spricht als erstes zu den Göttern. Dann folgt das Gebet aller Balinesen.

Zuerst wird mit leeren zur Stirn gefalteten Händen gebetet. Danach wird eine weiße Blüte der Opfergabe entnommen und zwischen die Hände geklemmt. Die Hände werden wieder an der Stirn zusammengeführt. Nach dem Gebet zu den Göttern wird die weiße Blüte bei Frauen ins Haar gesteckt, bei Männern hinter das rechte Ohr geklemmt. Nun wird eine bunte Blüte entnommen und das Gebet erfolgt auf die gleiche Weise. Die bunte Blüte ist der Göttertrinität Brahma, Vishnu und Shiva gewidmet. Nach dem Gebet wird die Blüte wieder ins Haar gesteckt bzw. hinters Ohr geklemmt.

Ein weiteres Gebet mit einer bunten Blüte folgt. Es ist dem Gott als Geber gewidmet. Das letzte Gebet erfolgt – wie das erste – mit leeren Händen. Mit dem letzten Gebet bedanken sich die Balinesen bei den Göttern für den Schutz vor dem Bösen.

Nun geht der Priester mit einer Schale heiligem Wasser zu jedem Gläubigen. Er gibt 3 Mal heiliges Wasser auf den Kopf, danach formen die Balinesen ihre Hände zu einer Art Schüssel und trinken das heilige Wasser 3 Mal. Jeder Schluck ist einer Gottheit gewidmet (Brahma, Vishnu, Shiva). Aus einer Schüssel entnimmt jeder ein paar Reiskörner. Diese werden zuerst auf die Stirn und danach unter die Kehle geklebt. Drei Reiskörner werden heruntergeschluckt. Nachdem jeder Balinese das Ritual gemeinsam mit dem Priester vollendet hat, ist der offizielle Teil der Vollmond Zeremonie vorbei.

Die großen Körbe mit den Opfergaben werden nun wieder vom Schrein genommen und die Lebensmittel werden im Anschluss an die Zeremonie mit Familie und Freunden gemeinsam verzehrt. An der Vollmond Zeremonie nehmen grundsätzlich alle Balinesen teil. Eine Ausnahme bilden menstruierende Frauen, denen während dieser Zeit der Zutritt zum Tempel untersagt ist.

Bali Götter Brahma, Vishnu, Shiva
Vollmond Zeremonie Bali – Gebet zu den Göttern

5. Gemeinsames Essen nach der Vollmond Zeremonie

Das gemeinsame Festmahl mit Familie und Freunden ist auf Bali nicht üblich. An gewöhnlichen Tagen isst jeder, wann er Hunger hat. Die Feierlichkeiten nach der Zeremonie dauern meist bis spät abends an. Kinder, die am nächsten Tag in die Schule müssen, schlafen irgendwann zwischen den freudig zusammensitzenden Erwachsenen ein. Die Männer trinken Arak Schnaps und es wird viel gelacht.

Der Hinduismus bringt die Balinesen auf eine wunderbare Art zusammen. Jung und Alt verbringen die Zeit nach der Zeremonie gemeinsam. Ich kann nicht oft genug sagen, wie sehr ich diese Menschen mit all ihren Ritualen in mein Herz geschlossen habe.

Wenn du wissen möchtest, wie wir die Vollmond Zeremonie mit unseren balinesischen Freunden erlebt haben, kannst du gern weiterlesen 🙂

Wir durften einer Vollmond Zeremonie auf Bali beiwohnen. Wie es dazu kam und wie wir uns in diesen besonderen Stunden fühlten, erfährst du in meiner Kurzgeschichte über einen unvergesslichen Tag.

Es ist morgens 07:00 Uhr. Ich öffne meine Augen und grinse. Es ist soweit, heute ist Vollmondtag und wir werden mit unseren balinesischen Freunden gemeinsam die Vollmond Zeremonie im Dorftempel abhalten. Ich bin aufgeregt und kann den Abend kaum erwarten. Auf dem Tisch liegt unsere traditionelle Kleidung bereit, welche wir am Vortag mit Putu, der Frau unserer befreundeten Familie, auf dem Markt besorgt hatten. Normalerweise reicht es, ein langärmliges Shirt und einen Sarong zu tragen, doch wir wollten an diesem besonderen Tag genauso aussehen wie die Balinesen. Für unser komplettes Outfit zahlten wir umgerechnet ca. 12,00 €, René sogar etwas weniger.

18:00 Uhr werden wir endlich von Ketut (Putu’s Mann) und deren Tochter Ayu an unserer Unterkunft abgeholt. Nach 15 Minuten Fahrt erreichen wir das Zuhause unserer Familie. Putu’s Tochter Ayu hilft mir beim Ankleiden. René bekommt Unterstützung von Ketut. Die drei Kinder Ayu, Agus und Juna sind ganz aus dem Häuschen und können kaum glauben, dass wir sie auf die Vollmond Zeremonie begleiten werden. Mich überbekommt ein Gefühl tiefster Dankbarkeit, so einen besonderen Moment erleben zu dürfen. Putu und ihre Familie haben uns aufgenommen, wie Angehörige.

Wir steigen in den Wagen und fahren zu Putu’s Freunden, die nur ein paar Meter vom Tempel entfernt wohnen. Wir werden bereits voller Neugier erwartet, schließlich erleben die Balinesen (vor allem in tourismusfernen Gebieten) so etwas nicht alle Tage. Putu zeigt mir zwei große Körbe, welche üppig mit Lebensmitteln (Mango, Reis, Muffins, andere Süßigkeiten und einem gebratenen Hähnchen) bestückt sind. Sie erklärt mir, dass sie einen der beiden Körbe extra für uns als Opfergabe für die Götter vorbereitet hat.

Unsere erste Vollmond Zeremonie kann beginnen …

Als wir vollzählig sind, darf ich meinen Korb auf dem Kopf in den Tempel tragen und auf einem Schrein für die Götter ablegen. Putu zündet mit ihrer Tochter Ayu ein großes Bündel Räucherstäbchen an und verteilt diese auf den Schreinen des Tempels.

Der Vollmond leuchtet hell am Himmel. Wir haben noch etwas Zeit, da der Priester noch nicht im Tempel angekommen ist. René und ich sehen uns im Tempel um und genießen diese magische Stimmung. Danach setzen wir uns alle gemeinsam im Schneidersitz auf den Boden. Vor uns steht jeweils eine Opfergabe, welche mit weißen und bunten Blüten gefüllt ist. Auf den Körbchen nebeln die Räucherstäbchen. Es duftet herrlich. Als der Priester den Tempel betritt, machen sich alle bereit für das gemeinsame Gebet zu den Göttern.

Gemeinsames Gebet im Dorftempel

Der Priester läutet ein paar Minuten mit einer Glocke. Wir nehmen unsere Hände zusammen und halten sie uns an die Stirn. Das erste Gebet erfolgt mit leeren Händen. Dann nehmen wir eine weiße Blüte zwischen unsere Hände und führen sie vor der Stirn erneut zusammen. Danach stecken sich die Frauen die Blüte in ihr Haar, die Männer hinter das rechte Ohr. Nach der weißen Blüte folgt nun eine farbige, die wir mit unseren Händen vor die Stirn halten. Dieses Gebet richtet sich an die Göttertrinität Brahma, Vishnu und Shiva. Die Blüte wandert, wie die vorherige, in unser Haar bzw. hinters Ohr. Wir wiederholen das Gebet mit einer weiteren farbigen Blüte für den Gott als Geber.

Das letzte Gebet erfolgt mit leeren Händen, so, wie das erste, um den Göttern zu danken (für den Schutz vor dem Bösen). Danach bringt der Priester eine Schüssel mit heiligem Wasser zu uns. Jeder von uns bekommt drei Mal heiliges Wasser auf den Kopf, danach falten wir unsere Hände zu einer Schale und trinken das heilige Wasser drei Mal. Jeder Trinkvorgang ist einer Gottheit (Brahma, Vishnu, Shiva) gewidmet. Danach befeuchten wir unser Gesicht. Aus einer Schale entnehmen wir ungekochten Reis. Diesen kleben wir zuerst an die Stirn, danach unter die Kehle und die letzten drei Reiskörner schlucken wir herunter. Nachdem jeder Gläubige das Ritual vollzogen hat, ist der offizielle Teil der Zeremonie vorbei.

Zu Gast bei balinesischen Freunden

Putu nimmt die zwei mitgebrachten Körbe vom Schrein und wir kehren bei Freunden unserer Familie, unweit des Tempels, ein. Es folgte eine weitere Zeremonie in deren Haustempel. Wir sitzen alle eng zusammen in einem Raum und richten unseren Blick auf den kleinen Haustempel. Direkt neben mir sitzt der Priester mit seiner Glocke und läutet zum Gebet. Die vielen Räucherstäbchen vernebeln meine Sinne. Wir wiederholen das, was wir eben im Dorftempel gelernt haben. Diesmal spielt Putu das Gayatri Mantra als Begleitmusik über ihr Smartphone ab.

Nachdem wir unser Gebet beendet haben, nehmen wir alle gemeinsam vor dem Haus Platz. Die Opfergaben aus den großen Körben werden nun in Schalen angerichtet und wir essen zum ersten Mal seit unserer Kindheit mit den Händen. Von den liebevollen Gastgebern bekommen wir einen heißen Tee serviert. Später trinken wir mit den Männern selbst gebrauten Arak Schnaps. Wir sitzen bis spät in die Nacht. Ayu, Putu’s Tochter, ist an meiner Schulter bereits eingeschlafen, als wir aufbrechen wollen. Es wird Zeit zu gehen. Wir werden von allen liebevoll verabschiedet. Ketut bringt uns zurück zu unserer Unterkunft und die Hotelgäste staunen nicht schlecht, als wir spät am Abend mit unserer speziellen Kleidung am Pool entlang schlendern.

Wir lernten Putu und ihre Familie während unserer ersten Bali Reise 2016 zufällig kennen- und lieben. Seit dem stehen wir im ständigen Kontakt und es war nur eine Frage der Zeit, bis wir auf die Insel der Götter zurückkehren. Zwischen uns hat sich eine tiefe Freundschaft – auch über tausende Kilometer Entfernung – entwickelt. Ich bin überglücklich, dass wir im September 2018 diesen wundervollen und für Putu und ihre Familie so bedeutsamen Tag miterleben durften. Für noch lebendigere Eindrücke kannst du dir gern unser Bali Video ansehen.

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